Künstliche Intelligenz & Fachkräftesicherung

Drei rückenwind³-Projektträger zeigen im Austausch Chancen und Grenzen der Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in sozialen Arbeitsfeldern.

Wie kann Künstliche Intelligenz (KI) Mitarbeitende entlasten, Qualität sichern und Organisationen in Zeiten des Fachkräftemangels stärken? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Online-Veranstaltung „Projekte berichten: Künstliche Intelligenz in rückenwind³“ mit rund 90 Teilnehmenden, zu der die ESF‑Regiestelle der BAGFW am 28. Januar 2026 eingeladen hatte.

Drei rückenwind³-Projektträger haben ihre Herangehensweise und Erfahrungen vorgestellt und zum gegenseitigen Austausch eingeladen.


FutureCare (Diakonie Nord Nord Ost): KI im Pflege‑ und Teilhabekontext

Das Projekt der Diakonie Nord Nord Ost demonstrierte, wie KI-Anwendungen Arbeitsprozesse in Pflege- und Teilhabeangeboten unterstützen können. Im Fokus standen:

  • Mobile Dokumentation über „Voize“ (Audioeinsprache, strukturierte Patientendokumentation, Schulungen, Training neuer Prozesse)
  • KI‑gestützte Sturzerkennung und weitere sensorbasierte Assistenzsysteme
  • KI‑Robotik zur sozialen Teilhabe – z.B. dialogfähige Roboter als Ansprechpartner in Werkstätten
  • KI-gestützte Erstellung von Lerninhalten mittels KI-Autorentool „Knowtion“[BW1]
  • Wachsende Anforderungen an Datenqualität und -volumen (u.a. Internetbandbreite und neue Rolle Datenmanager)

Das Learning: Herausfordernd bleibt der verantwortliche Umgang mit sensiblen Daten, die Notwendigkeit qualitativ guter Daten und wachsenden Anforderungen an die Internetgeschwindigkeit. Die Diakonie setzt hier auf verbindliche Rahmenbedingungen: eine verbindliche Dienstvereinbarung („Alles ist verboten, außer was ausdrücklich erlaubt ist“), klare Verantwortlichkeiten, Rollenerweiterung (z.B. Etablierung eines Datenmanager-Tätigkeitsprofils), einen Kompetenzführerschein für Mitarbeitende und eine Liste zugelassener KI‑Tools.


MeKI KUZE (Kulturzentrum Schlachthof gGmbH): KI‑Einführung als Organisationsentwicklungsprozess

Für den Schlachthof Kassel war das Thema KI zunächst Neuland – ohne bestehende Zuständigkeiten oder Infrastruktur. Die Projektarbeit zeigt, dass der Erfolg vor allem von partizipativer und transparenter Organisationsentwicklung abhängt:

  • Partizipativer Ansatz: erweitertes Projektteam, Einbindung interessierter Fachkräfte, transparente Klärung von Vorbehalten
  • Interne Sensibilisierung & Kompetenzaufbau inklusive KI‑Zertifikaten
  • Aufbau einer internen Plattform zur täglichen Recherche (z.B. für Gesetzestexte in der Schuldnerberatung)

Drei konkrete Pilotprojekte sind darüber hinaus in Kooperation mit der Hochschule Kassel im Rahmen des rückenwnd³-Vorhabens entstanden:

  1. fömo – KI‑gestützte Fördermitteldatenbank
  2. Chatbot zur Strukturierung eines internen Prozesshandbuchs
  3. KI‑unterstütztes sprachgesteuertes Empfangssystem für nicht-muttersprachliche Kund:innen – Zeitersparnis der Beratenden 

Die Learnings: KI allein reicht nicht aus. Es braucht digitale Kollaborationsstrukturen, Vernetzung der Abteilungen sowie Zeit für Beteiligung, Austausch und Vertrauensaufbau. Für 2026 sind weitere Tests und Ausbauschritte geplant.


Digitalisierung und Qualifizierung pädagogischer Arbeitsprozesse (GFB gGmbH): KI zur Unterstützung im HzE‑Kontext

Die GFB gGmbH setzt sich mit der Frage auseinander, wie KI-Fachkräfte in den Hilfen zur Erziehung [BW2] unterstützen kann – gerade angesichts gestiegener Anforderungen und eines zunehmenden Fachkräftemangels.

Das Projekt entwickelt dazu eine Plattform, die drei zentrale Arbeitsfelder adressiert:

  • Hilfeplanung und Zielentwicklung (Unterstützung durch KI‑generierte Untersetzungsfragen, Einsatz in Teamsitzungen)
  • Tagesdokumentation (automatische Zusammenfassungen, Mustersuche, Chat-basierte Auswertung)
  • Entwicklungsberichte (Standardisierung, Qualitätssteigerung)

Das Besondere: Als Träger der ausschließlich mit hochsensiblen Personendaten arbeitet, verfolgt die GFB einen besonders hohen Datenschutzanspruch. Dazu gehört u.a.: Keine Nutzung von US‑Anbietern oder großen generativen Modellen; Daten werden ausschließlich live verarbeitet und nicht gespeichert, Betrieb auf Servern in Deutschland. Fachliche Besonderheiten und sensible Themen machen jedoch deutlich: Modelle müssen zuverlässig, nuanciert und kontextsensibel funktionieren, – besonders im sozialpädagogischen Bereich ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Daraus zog die GFB auch eines ihrer wichtigsten Learnings: „Weniger Innovation – mehr Verlässlichkeit“. In der Praxis heißt das: Standardschreiben zur Sensibilisierung für Sorgeberechtigte, klare Nutzen-Folge-Abwägungen sowie die Möglichkeit, domänenspezifische Prompts (z. B. Abkürzungslisten) einzubinden. Die Partizipation der Zielgruppen bleibt dabei zentral.


Fazit

Die drei rückenwind³‑Projekte zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich – aber zielgerichtet – KI in der Sozialwirtschaft eingesetzt werden kann: etwa zur Entlastung, Qualitätssteigerung und Unterstützung in komplexen Arbeitsfeldern. Gleichzeitig wurde deutlich, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen. Datenqualität, Ethik, Mitarbeitendenbeteiligung und klare Verantwortlichkeiten bleiben entscheidend für eine erfolgreiche und verantwortungsvolle KI‑Einführung.